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DTP-Operator & Mediendesigner
DTP-Operator & Mediendesigner
Die Akte: Expertise
Manche Leute nennen so etwas Lebenslauf. Andere betiteln es als Portfolio. Ich nenne es schlicht eine Bestandsaufnahme von Lebenszeit. Diese Zeit habe ich damit verbracht, Formen, Farben und Pixel so lange von links nach rechts zu schieben, bis sie aufgegeben haben und einfach gut aussahen.
Ganz ohne dieses weichgespülte Agentur-Blabla über „synergetische Designkonzepte“. Wenn ich Wörter wie Synergieeffekt, Design-Deep-Dive oder agiles Mindset höre, möchte ich mir sofort eine stumpfe Schere ins Bein rammen. Oder die Stirn an einer Hausfassade reiben – wegen des Brainstormings. Das ertrage ich mental manchmal nur schwer bis gar nicht. Mir geht es rein um das Handwerk. Ein schlichter, ehrlicher Vorgang. Wie das Streichen einer Garage, nur eben digital und ohne den Geruch von Lösungsmitteln.
Ich beschäftige mich mit Gestaltung ja nicht erst seit gestern. Mein Auge für Ästhetik hat im Laufe der Jahre so einige visuelle Verbrechen kommen und gehen sehen.
Von den wilden, farblich völlig entgleisten Anfängen des Internets – als Webseiten noch aussahen wie explodierte Kaugummi-Automaten oder das Jugendzimmer eines Heavy-Metal-Fans auf LSD – bis hin zum heutigen, ultracleanen Design. Ich mag es ja strukturiert. Keine unnötige Ablenkung. Schlicht, edel, auf den Punkt. Das erschlagende Bunt der 90er und 2000er hatte seine Zeit, und die ist längst vorbei.
In all dieser Zeit habe ich unzählige gestalterische Arbeiten konzipiert, verworfen, leise vor mich hin fluchend neu aufgebaut und schließlich irgendwie ins Ziel gebracht.
Ich habe Farbpaletten bis aufs Blut optimiert, widerspenstige Layouts bezwungen und Typografien so präzise ausgewählt, dass sie eine Geschichte erzählen, noch bevor das Gehirn das erste Wort überhaupt erfasst hat. Das ist keine Hexerei, das ist einfach nur stures Sitzfleisch und der unbändige Wille, nicht vor dem Monitor zu weinen oder die Tastatur wie ein Schnitzel flachzuklopfen. Eine umfangreiche Expertise, die man sich nicht in einem hektischen Wochenend-Crashkurs auf Mallorca zwischen zwei Sangria-Eimern aneignet, sondern durch jahrelanges, stoisches Machen und Probieren.
Der amtliche Pixel-Perfektionismus.
Ich bemerke nun mal sofort, wenn ein Element zwei Pixel zu weit links steht oder ein falsch berechneter Schatten das halbe Layout optisch zerschießt und wie ein unsauberer Software-Fehler aussieht. Das ist kein Spleen, das ist visuelle Notwehr meinerseits. Wenn ein Button schief sitzt, kann ich nachts nicht schlafen. Dann liege ich wach, starre an die Decke und führe innere Streitgespräche mit dem Erfinder des CSS-Codes. Das will ja keiner.
Intuition statt kollektives Raten.
Durch die schiere Masse an bewältigten Projekten ist mir meistens schon vor dem ersten Klick klar, ob eine visuelle Idee zündet oder ob ich mich damit direkt ins gestalterische Aus manövriere. Das hat nichts mit Hellseherei zu tun. Ich kann auch keine Lottozahlen vorhersagen oder ergründen, warum manche Leute Socken in Sandalen tragen. Das ist schlicht angesammeltes Material im Cortex, das mir rechtzeitig sagt: „Mach das nicht, das sieht am Ende aus wie Fleischsalat auf einer Heißklebepistole.“
Gestaltung mit Rest-Vernunft.
Schöne, bunte Bildchen kann im Prinzip jeder, der unfallfrei eine Computermaus über ein Pad schubsen kann, ohne sich dabei das Handgelenk zu brechen oder versehentlich die eigene Kaffeetasse umzuwerfen. Bei mir folgen die Arbeiten einer Struktur. Form folgt Funktion – aber bitteschön mit einer gewissen, unaufgeregten Eleganz. Wie ein gut sitzender Mantel beim Herrenausstatter, der nicht schreit: „Hier bin ich!“, sondern einfach verdammt gut passt.
Gestaltung ist für mich kein linearer Spaziergang. Es ist ein ständiges, oft zermürbendes Abwägen. Es gab Tage, da habe ich stundenlang über den perfekten Kontrast nachgedacht, während draußen die Sonne schien und andere Menschen ein normales, glückliches Leben führten – Rasen mähten (OK, das mache ich auch gelegentlich), Eis aßen oder sich beim Discounter um die letzten Prospekt-Angebote stritten. Es gab Nächte, da habe ich komplette Layouts umgekrempelt, weil der sprichwörtliche Funke noch fehlte und das Gesamtergebnis einfach nur… okay war. Und „okay“ ist für mich der natürliche Feind des guten Geschmacks. Wenn mir etwas nur „okay“ vorkommt, fange ich von vorne an. Das ist anstrengend, es treibt den Kaffeekonsum in bedenkliche Höhen, aber es hilft ja nichts. Genau diese Detailverliebtheit unterscheidet eine handwerklich saubere Arbeit von einem gestalterischen Totalschaden.
Letztendlich geht es mir nur darum, den Unterschied zwischen einem harmonischen Design und einer optischen Katastrophe zu kennen. Ich habe die Kilometer auf dem Tacho, die Erfahrung sitzt fest im Kopf und das gestalterische Feingefühl liegt in den Fingern.
Mehr muss ich dazu nicht sagen. Da ist sie, die Expertise. Unspektakulär, aber absolut solide. Kann man so stehen lassen.